Ich frage mich, was der Grund der meisten Autoren ist, warum sie mit dem Schreiben beginnen. Womöglich könnte ich das auch ganz einfach nachlesen. Doch dann wäre der Titel des Blogs, der sich mit dem Sinnieren beschäftigt wohl eine offensichtliche Themenverfehlung.
Erst als ich versucht hatte, mir selbst diese Frage zu stellen, erkannte ich meinen ersten tatsächlichen Schreibanlass. Oder besser gesagt Erzählanlass. Damals konnte ich nämlich noch nicht schreiben. Aus den Untiefen einer Erinnerungskiste kramte ich ein kleines, selbstgebasteltes Heftchen heraus. Dieses ist aus einzelnen, zurechtgeschnittenen Papieren mit bunter Wolle zusammengebunden.
Der Anlass für diese Bastelarbeit war der Verlust meiner damaligen Urgroßmutter. Für mich war das Konzept von Tod vollkommen neu und so suchte ich eine Möglichkeit, meinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Ich zeichnete also meine Vorstellungen, wie denn der Tod für mich erkennbar wurde: z.B. durch das Grab, die Beerdigung etc. Obwohl ich also noch nicht schreiben konnte, nutze ich das Medium Buch/Heftchen, um meine Gefühle zu sortieren und sie sichtbar abzubilden.
Und eigentlich ist es genau das, was mich später dazu bewegt hat, Tagebuch zu schreiben. Ich suchte einen Ort, dem ich mich bedingungslos offenbaren konnte, ohne bewertet, verurteilt oder schiefangeschaut zu werden.
Ich erkannte, dass das Schreiben viel mehr als nur theoretisches Aufbewahren von Wissen ist. Durch das Schreiben kann man die eigenen Gedanken, Emotionen und Eindrücke in einer Form festhalten, in der wir sie „schwarz auf weiß“ betrachten und erneut einordnen können. Es erlaubt uns, Dinge, die uns beschäftigen, niederzuschreiben und sie somit von einem in der Luft schwebenden Gedanken in eine solide Materie zu übergeben. Im idealsten Falle können wir dann noch entscheiden, ob wir diese Gedanken teilen, oder ob wir sie nur für uns behalten möchten. Mit diesem Blog entscheide ich mich nun, einen Teil meiner Gedanken auszuformulieren und mit euch zu teilen.
Mit ungefähr 10 Jahren bekam ich mein erstes Tagebuch zu Weihnachten. Damals nannten es auch alle noch so. Doch als junge Erwachsene, mit Anfang 20, da kaufte ich mir mein erstes „Journal“, also nur die modernere Bezeichnung eines Tagebuchs.

Ich hatte eine sehr romantische Vorstellung, was das Tagebuchschreiben anging. Da stellte ich mir tägliche Einträge mit tiefen Einblicken in meine Gedanken, Wünsche und Träume vor. Ich erwartete, dass jeder Abend zu einer Aufarbeitung des verstrichenen Tages sein würde. Eigentlich erwartete ich genau das, was man in Büchern und Filmen zu sehen bekam: in einer gepolsterten Ecke zurückgezogene Menschen, die tief versunken ihren Gedanken nachhangen und diese in geschwungenen Lettern auf ewig in das geheimste aller Büchlein verewigten – dem Tagebuch.
In der Realität erkannte ich doch, dass ich (besonders als junger Teenie) jeden Tag gar nicht so viel zu berichten hatte. Das war dann doch irgendwie frustrierend. Vor allem, weil in diesen besagten Büchern und Filmen niemand darüber redete, wie anstrengend Schreiben eigentlich sein kann. Besonders das Schreiben mit Stift und Papier kann sich bei untrainierter Handmuskulatur ganz schön in die Länge ziehen.
Ich erkannte auch erst später, dass ich nicht in dieses Buch hineinschrieb, damit es voll wurde. Besonders in Tagebücher schreibt man eben, um zu schreiben.
Mir wurde mit der Zeit bewusst, dass es oft gar nicht wichtig war, wie ich etwas schrieb oder wie ausführlich ich das Erlebte beschrieb. Oft reichte es, zu Papier und Stift zu greifen und es fiel mir leichter, meine Gedanken so zu sortieren. Sie machten plötzlich mehr Sinn oder schwirrten zumindest nicht mehr wie wild durch den Kopf.
Das, was ich aufschrieb, musste auch nicht perfekt formuliert und durchdacht sein. Meine Gedanken sprudelten manchmal wie wild aus meinem Kopf direkt auf das Papier. Und genau so waren sie richtig und echt. Das Schreiben wirkte bei mir wie ein Ventil, dass das Gedankenwirrwarr regulierte und den Druck nach außen ableitete.
Was für andere der Sport, das Malen oder Singen ist, ist für mich das Schreiben. Es ist ein Ausdruck von Gefühlen, von Freiheit und von Verbundenheit zum eigenen Inneren. Für dieses Projekt wird es eine spannende Herausforderung werden, die Texte icht mehr nur für mich alleine zu schreiben, sondern eben auch für dich. 🙂
Schön, dass du da bist!

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